Wandern ist gesund

Dass Wandern gesund ist, wird kaum jemand bestreiten. Wer selber wandert, weiß das aus eigener Erfahrung. Jeder gute Hausarzt empfiehlt es seinen Patienten, jede Reha-Klinik hat es im Programm. Dennoch setzen Sportmedizin und Fitness-Päpste auf mehr: Kürzer und schneller ist die Devise, der Kreislauf muss auf Touren kommen, der Atem ins Schnaufen. Nordic Walking oder Joggen ist das Mindeste.

Dass das langsame, aber lang andauernde Wandern letztendlich mehr bringt, ist erst eine vergleichsweise junge Einsicht. Der erste Hinweis kam von der Postbotenstudie Anfang der 60er Jahre. Danach hatten Schalterbeamte der Post im Vergleich zu Postboten, bei zu Berufsbeginn gleichem Gesundheitszustand in ihrem Leben dreimal so viel tödliche Herzinfarkte. Postboten, die zum Schalterbeamten aufstiegen, verloren ihren Infarktschutz in wenigen Jahren.

In den Folgejahren belegten groß angelegte amerikanische Langzeitstudien mit Zigtausenden von Teilnehmern, die positive Wirkung selbst einfacher Formen regelmäßiger Bewegung. Statistische Auswertungen ergaben, dass es hauptsächlich darauf ankommt, wieviel Kalorien der Körper pro Woche für Bewegungen verausgabt. Die größten Kalorienverbraucher sind die Beinmuskeln. Der Energieaufwand für einen Kilometer Gehen ist ähnlich groß wie für einen Kilometer Laufen (auf unebenen Naturwegen sogar erheblich größer); man braucht lediglich mehr Zeit dazu. Wanderungen führen überdies in der Regel über längere Strecken als Jogging- oder Walkingrunden. Folglich verbrauchen Wanderer maximal viel Bewegungsenergie.

Zusatzfaktor Natur

Im Gegensatz zu den USA, wo seit über einem Vierteljahrhundert die positiven Wirkungen von Naturszenerien auf Psyche und Verstand des Menschen eingehend untersucht werden, sind solcherlei Befunde in Deutschland bislang kaum wahrgenommen worden. Mit Hinblick auf die Prävention und Rehabilitation von Krankheiten sind beispielsweise folgende Effekte nachgewiesen:

Entspannung
Der Blick auf grüne und vor allem ästhetisch schöne Landschaften mindert Puls, Blutdruck, Hautleitfähigkeit und Muskelspannung.

Stressentlastung
Naturkontakte reduzieren Stress und Stresshormone sowie die sympathischen Antriebe des Nervensystems. Berufs- und Verkehrsstress kann besser verarbeitet werden.

Stimmung
Grün mindert negative und verstärkt positive Emotionen, steigert den Stimmungshormonspiegel und verlangsamt beruhigend die Hirnstromschwingungen.

Alzheimer
Naturkontakte mindern die Schwere altersbedingter Demenzstörungen.

Rekonvaleszenz
Krankenhauspatienten mit Blick ins Grüne haben weniger postoperative Komplikationen, einen geringeren Medikamentenverbrauch, beanspruchen das Personal seltener und gesunden schneller.


Insgesamt also besitzt Wandern als Mittel der Prävention wie auch der begleitenden Therapie von Zivilisationskrankheiten eine Breitbandwirkung, wie keine andere Fitnesssportart. Dabei wird die niedrige Intensität, sofern sie überhaupt einen Nachteil darstellt, durch die hohe Ausdauer und den besonders intensiv wahrnehmbaren Naturkontakt mehr als ausgeglichen, während zugleich potenzielle Nebenwirkungen minimal ausfallen.

(c) Textauszug: Rainer Brämer aus "Stichworte Gesundheitsstudie Wandern (2007)

Ausführliche Daten und Fakten lesen Sie in der Gesundheitsstudie Wandern "Wandern als Natur- und Selbsterfahrung", die Sie sich gerne herunterladen können.